Samstag, 22. Oktober 2011

Teurer als gedacht

Diesmal keine Bilder, da ich diese Woche meine Kamera selten zur Uni mitgeschleppt habe und ich ohnehin keine Zeit hatte, spektakuläre Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Dafür gibt es mal wieder ein paar generelle Updates aus Fernost.

Die vergangenen Tage waren an sich alle ziemlich ähnlich. Morgens Uni, mittags Mensa, abends nach Hause. Da hier beinahe täglich kleinere Feierlichkeiten und Feste stattfinden, werde ich jetzt auch nicht großartig weiter auf selbige eingehen.

Was der eigentliche Inhalt dieses Eintrags werden sollte, sind die verflucht hohen Lebenshaltungskosten hier in Japan. Dass Japan teuer ist, weiß die halbe Welt, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass es zum Beispiel nichtmal für Einheimische hier irgendwelche Supermärkte oder ähnliches gibt, in denen man für günstiges Geld Shit erwerben kann. Für ein bisschen was zu trinken, eine Zweitagesration an Essen und ein bisschen Süßkram ist man hier ziemlich schnell um die 15€ los. Einzelne Kochzutaten kosten hier teilweise mehr als in Deutschland das gesamte Essen.
Meine Bude gewinnt trotz grotesker Preise aber zunehmend an Einrichtung und Wohnlichkeit. Habe mir vor 2 Tagen einen Wirelass LAN Router gekauft und kann endlich mit dem Notebook am Schreibtisch sitzen, was vorher aufgrund schlecht durchdachter Raumaufteilung nicht möglich war.
Heute wollte ich auch eigentlich noch mein Geschirr aufstocken und ein paar Schüsseln, Teller und mehr Besteck kaufen, aber aufgrund übermäßigen Regens hab ich das vorerst auf morgen verschoben. Glücklicherweise hat hier wegen des Mangels an Christentums jeder Laden am Sonntag geöffnet.
Der bereits erwähnte Regen führte leider auch dazu, dass ich mir das Himatsuri (Feuerfest) in Kurama nicht ansehen konnte. Schade, aber laut der Aussage eines Kommilitonen eh hoffnungslos überfüllt und ziemlich nass gewesen. Morgen findet dafür das aufgrund des schlechten Wetters um einen Tag verschobene Jidai Matsuri (Fest der Zeitalter) statt. Ist eines der größten Feste in Kyoto und soll recht spektakulär sein. Hoffen wir mal, dass das launische Kyoto-Wetter mitspielt, denn mittlerweile regnet es ab und zu völlig unangekündigt aber dafür umso stärker, tagsüber ist es heiß, abends schon extrem kühl und windig sowieso. Nervt, wenn man bis abends eine Jacke oder ähnliches mit sich schleppen muss, aber sie nicht anziehen kann, weil man sonst anfängt zu schwitzen wie ein adipöser Rentner.

Na gut, ganz ohne Photo will ich diejenigen nicht entlassen, die sich durch den semi-interessanten Bericht gekämpft haben.

Meine Wand

Sonntag, 16. Oktober 2011

Warum Japaner länger leben

Und wieder mal ein bisschen neues aus Kyoto.

Am vergangenen Donnerstag war ich auf einem Kultur-Trip und habe mir in der schier endlosen Mittagspause zwischen meinen Uni-Kursen an jenem Tag den Yoshida-Schrein in der Nähe des Campus angeschaut. Sehr hübsch, wie fast jeder Tempel und Schrein in Japan, wenn auch hauptsächlich aus einem bewaldeten Berg bestehend. Da ich leider kein passendes Objektiv am Start hatte, gibt es an dieser Stelle auch kein Photo von der größten Spinne in freier Wildbahn, die ich je gesehen habe. Mehr als regungslos am Wegesrand zu lauern tat sie allerdings nicht. Für alle, die ihre Phantasie spielen lassen wollen: Sie war fett, grün, schwarz und gelb.

Das Wochenende war leider ziemlich regnerisch. Sowohl am Freitag, als auch am Samstag monsunartiger Regen. Ich war dennoch dumm genug, am Freitag nach draußen zu gehen, was trotz Regenschirm in nassen Klamotten und nassen Schuhen resultierte. Aber unterwegs hab ich mir einen Rucksack gekauft. Tatsache. Ein brauner Lederrucksack. Mal keine Umhängetasche oder ähnlichen Shit. Rucksäcke scheinen gerade sehr trendy zu sein. Zumindest hier.

Fuchsschwanz von mir hinzugefügt

Am Samstag ging es morgens zu einem Handwerksmarkt in der Nähe des Campus. Verkauft wurde allerlei Zeugs wie Backwaren, Töpfereien oder Kleidung. Kurzum, es war hart langweilig. Danach wieder mal ab zum Okonomiyaki-Essen (das dritte Mal in dieser Woche) und anschließend zum Ginkakuji, dem silbernen Pavillon. Obwohl die gesamte Anlage von Touristen überflutet war und das Wetter äußerst bescheiden, konnte man der japanischen Gartenbaukunst und Architektur auch diesmal eine beeindruckende Ästhetik nicht absprechen. Siehe Photos (auch wenn sie die Stimmung nicht ansatzweise transportieren). Wenigstens weiß ich jetzt, warum Japaner länger leben. Irgendwie haben sie es geschafft, dass man sich nur in einen Garten setzen muss, um Seelenfrieden zu finden.



Abends fuhr die gesamte Wohnheims-Gang dann im strömenden Regen  per Taxi nach Downtown um Party zu machen. Zuerst in die nächste Izakaya für Nomihoudai (All you can drink), was bei einem Preis von ca. 10€ sehr annehmbar war. Zudem war der Laden ziemlich geil. Sehr traditionell japanisch, aber bestens ausgestattet. Gegen Mitternacht, als wir in Richtung der Clubs aufbrachen, waren die meisten von uns schon ziemlich gut betrunken, weswegen wir dank lautem Gröhlen den ohnehin schon perfekten Ruf der Ausländer sicherlich weiterhin positiv beeinflussten. Am Club angekommen dann für umgerechnet knapp 25€ (nach Mitternacht wird der ohnehin schon teure Eintritt nämlich erst richtig hässlich) Einlass erkauft und bis in die Morgenstunden unspektakuläre Tänze aufgeführt, während denen man sich immer fragt, was man hier gerade eigentlich macht und ob es nicht sinnvoller wäre, seine Zeit besser zu nutzen. Ein Mitglied der Wohnheims-Crew hat sich ein Mädel mit ins Wohnheim genommen. Ansonsten war es aber in jeder Hinsicht ein klassisch unnützer Abend für alle Beteiligten.
Heute morgen war ich dann ohnehin erstmal derart am Ende, dass der gesamte Tag im Prinzip gelaufen war. Nachmittags in einem Gyouza-Restaurant gegessen. Das wars.

Nach fast 2 Wochen in Kyoto kann ich jedenfalls schon jetzt mit Gewissheit sagen, dass man nicht besonders lange hier leben muss, um die überirdische Seltsamkeit und die Absurdität zu realisieren, die ganz Japan wie ein dicker, schwerer Nebelschleier ertränken.




Dienstag, 11. Oktober 2011

Die vergangenen Tage in Kyoto waren relativ ereignisreich, daher auch die niedrige Frequenz an Einträgen.

Zuerst mal ein Update bezüglich meiner Ausrüstung. Mein Zimmer füllt sich langsam weiter mit Gegenständen wie einem Wasserkocher oder einer Pfanne für eine Induktionsherdplatte. Das Kochen könnte ergo bald beginnen, aber leider kümmert sich die Verwaltung des Wohnheims gerade erstmal darum, dass mein kaputter Kühlschrank repariert wird. Vorerst habe ich also keinen Platz, um irgendwas zu lagern, was bei Zimmertemperatur verdirbt.
Weiterhin bin ich seit einigen Tagen im Besitz eines Fahrrades (gebraucht, versteht sich). Hier in Kyoto elementar. Bus und Bahn sind zu teuer und zu langsam. Mit dem Fahrrad kommt man jedoch relativ schnell und kostenlos überall hin. Eine der wichtigsten Errungenschaften ist aber wohl mein Handy. Zeit wurde es. Sich mit Leuten treffen zu wollen und sie einfach nicht zu finden stinkt. Das Teil ist ziemlich typisch japanisch. Ziemlich klein, aufklappbar und hat viele lustige Funktionen. Hier schreibt man übrigens mit dem Handy schon seit Jahren Mails, die mit 30000 Zeichen und einem Preis pro 1 Yen per Mail der SMS weit überlegen sind. Trotz des günstigen Preises, hab ich mir sicherheitshalber mal eine Flatrate für 300 Yen/Monat geholt. Telefonieren ist mit 90 Yen/Minute dafür nämlich umso teurer. Aber telefoniert wird eh nur in Notfällen. Dank der Tastatur schreibt man an einer Mail allerdings ewig, weil die Japaner leider keine Eingabehilfe benutzen. Zumindest nicht für alphabetische Buchstaben. Für das japanische Schreibsystem ist eine Art fernöstliches T9 integriert. Gutes Teil.

Auf.
Zu.

Der Japanese Placement Test ist übrigens wie erwartet, aber keineswegs enttäuschend verlaufen. Unterteilt war er in zwei Abschnitte. Der erste davon relativ einfach. Verlangt war im Prinzip das, was man an der Uni in den ersten Semestern gelernt hat. Vom einfachen Hiragana/Katakana bis hin zu Partikelübungen und grammatikalischen Erscheinungen wie Kausativ-Passiv.
Der Campus
Wer diesen Test bestanden hat, durfte nach einer Mittagspause zum zweiten Mal antreten und einen weitaus längeren und weitaus schwierigeren Test absolvieren. Vokabeltest (autsch!), Grammatik, Leseverständnis und Kanji waren gefragt. Die unglaubliche Flut an Kanji, die oft ohne Furigana über einen hereinbrach, war leider uncool. Trotzdem schaffte ich es tatsächlich, mich immerhin in die Stufe Intermediate I zu kämpfen. Amüsanterweise hat es nur ein einziger Chinese geschafft, die Advanced-Stufe zu erreichen.

Am Wochenende war hier einiges los. Freitags ging es abends nach einer kleinen Wohnheimsparty mit diversen Austauschschülern und ein paar Japanern mit dem harten Kern unserer Flur-Gang in eine nahegelegene Bar und anschließend per Taxi nach Sanjou, in den Butterfly Club. Klingt ziemlich schwuchtelig und war es auch, da ca. 85% der Besucher Penisträger waren, die Raumtemperatur wahrscheinlich 35°C betrug und von der Luftfeuchtigkeit will ich gar nicht erst reden.
Sonnenuntergang
Tja, schlechten Abend erwischt. Normalerweise geht es angeblich weniger homo in den Clubs von Kyoto zu. Ansonsten machte das Nightlife auch gut was her, vor allem für eine derart traditionelle Stadt. Die Straßen bis in den Morgen prall gefüllt mit teilweise höchstgradig aufgemotzten Leuten, diverse Clubs und Bars und selbst die Preise sind größtenteils ziemlich okay. Hier kann man auf jeden Fall dick Party machen. Nach dem Club-Besuch ging es, für viele bereits torkelnd, durch die Straßen von Downtown Kyoto, wo wir an einer Ampel von zwei total unscheinbar aussehenden Japanern angetextet wurden, mit denen wir nach einem kurzen Plausch bereits in die nächste Izakaya marschierten. Nach dem ein oder anderen Bier dort ging es dann zum Sonnenaufgang zurück ins Wohnheim.

Telefonzelle
Am Sonntag stand dann im Okazaki-Park ein riesiges Fest auf dem Plan, wo diverse Schüler und Studenten der Kansai-Gegend ihre tänzerischen und musikalischen Künste zur Schau stellen konnten. Der gesamte Park war für Autos gesperrt, dafür aber dicht gefüllt mit jungen und alten Leuten, die sich zu tausenden vor den kleinen Tanzbühnen drängten. Glücklicherweise war das Wetter extrem gut. So konnte man nämlich besonders gute Photos von im Park befindlichen Heian-Schrein machen, der hauptsächlich durch die Farben Rot, Weiß und Dunkelgrün ins Auge sticht. Macht sich besonders gut vor einem wolkenlosen Himmel. Auch das riesige, rote Torii vor dem Schrein, das zu den größten in ganz Japan gehört, macht schwer was her. Am Abend fand im Innenhof des Schreins auf einer größeren Bühne das große Finale statt. Mit Bands und erneuten Tanzeinlagen.

Da gestern Feiertag war (Tag des Sports und der Gesundheit), gingen heute die ersten tatsächlichen Uni-Kurse nach regulärem Stundenplan los. Der Japanisch-Unterricht ist nicht besonders spektakulär. Ist zwar praktisch, weil er ausschließlich auf, für meine Verhältnisse, recht anspruchsvollem Japanisch-Niveau stattfindet, aber abgesehen von einem kurzen Test und einer Selbstvorstellung ist heute kaum etwas passiert. Zudem lernt man in einem Austauschjahr wohl eher eine Sprache durch Kommunikation außerhalb des Unterrichts.





Tyler wants be a scientist.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Regen in Kyoto

Mein zweiter Eindruck von Kyoto wurde durch verschiedene Faktoren leicht getrübt. Zum ersten ist das öffentliche Verkehrsnetz hier leider das Letzte. U-Bahnen sind kaum vorhanden, normale Bahnen sind langsamer als der langsamste Bummelzug in Deutschland und die Konzentration auf ein ebenso langsames Bus-System macht das Ganze nicht wirklich besser. Zum zweiten bin ich seit vorgestern ziemlich krank. Zwar auf dem Weg der Besserung, aber krank. Kopfschmerzen, Husten, Halsschmerzen, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Schnupfen. Der übliche Erkältungs-Shit. Zum dritten ist das Wohnheim umzingelt von einer Armada von Insekten und Spinnen, die bei jeder erdenklichen Gelegenheit versuchen, Zimmer zu besetzen. Fenster aufmachen ist beispielsweise keine gute Idee. Hier auf dem Flur habe ich heute ein paar ziemlich coole Leute aus dem Balkan kennenlernen dürfen, mit denen es erstmal kollektiv ans Vernichten von Kakerlaken ging. Das war in der Tat weniger eklig, als unglaublich lustig, weil der gesamte Flur einfach mit Kakerlaken- und Insektenvernichtungsmittel übersät war und man eigentlich nur eineinhalb Stunden lang auf dem Boden saß, rumblödelte und sich kaputt lachte. An Gesprächsstoff war alles vertreten, von riesigen, giftigen Tausendfüsslern in den Wäldern Kyotos, bis hin zu deutscher Politik.

Trotz dieser eher uncoolen Faktoren bin ich eigentlich ziemlich zuversichtlich, was Kyoto angeht. Die Kultur hier ist hart beeindruckend und angeblich gibt es auch hier durchaus Party-Meilen und ähnliches. Sollte sich also aushalten lassen.

Nach der Einführungsveranstaltung heute, in der wir zahlreiche unserer Professoren kennen lernen durften, diverse Regeln der Universität von Kyoto erklärt bekamen und abschließend unseren Studentenausweis erhielten, machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof von Kyoto, in dessen unmittelbarer Nähe sich eine Filiale von Yodobashi Camera befindet, einer japanischen Kette von riesigen Elektroläden. Dort kaufte ich mir endlich ein 電子辞書 (elektronisches Wörterbuch) für den stolzen Preis von 32700 Yen (etwas mehr als 320€). War allerdings schon längst überfällig und ist für ein Japanisch-Studium unentbehrlich, da man das kleine Teil, das etliche Wörterbücher in sich vereint und auch sonst einiges auf dem Kasten hat, unterwegs immer bei sich tragen kann.

Morgen findet der Japanese Placement Test statt, der einstufen soll, auf welchem Level sich unser japanisches Sprachniveau befindet. Wie ich den Gesprächen mit anderen Studenten entnahm, hat absolut niemand auch nur ansatzweise dafür gelernt. Mich eingeschlossen. Ich bin gespannt.




Frisch gekauftes Denshi Jisho

Montag, 3. Oktober 2011

Letzer Blick aus dem Hostel
So. Heute morgen von Osaka nach Kyoto gefahren, um dort das Zimmer im Shugakuin-Wohnheim zu beziehen. Die Fahrt mit ungefähr 40 Kilo Gepäck war dank diversen Treppen, hohen Temperaturen und Stehplätzen im Zug eher unangenehm. Der Ersteindruck von Kyoto ist neutral. Die Busfahrt durch die Stadt führte sowohl durch Viertel, in denen man gut und gerne mittelalterliche Samurai- und Ninja-Filme hätte drehen können, als auch durch Einkaufsstraßen mit Geschäften von Louis Vuitton bis zur einfachen Drogerie. Da ich aber gerade aus Osaka komme, fehlt mir hier bis jetzt einfach das Gefühl der Großstadt. Hochhäuser gibt es hier nicht und Kyoto ist auf 3 Seiten von hohen Bergen mit dichtem Wald umgeben, was irgendwie stellenweise den Eindruck erweckt, als würde man fernab der Zivilisation leben, obwohl der Ort natürlich eine Millionenstadt ist.

Am Wohnheim angekommen verlief alles erstmal recht erwartungsgemäß. Am Empfang das Japanisch glücklicherweise komplett und problemlos verstanden und anschließend erstmal eilig mit dem Schlüssel in der Hand zum Zuhause für das nächste Jahr aufgemacht. Mein Zimmer mit der Nummer 221 liegt im ersten Stock und glücklicherweise auch noch in unmittelbarer Nähe der Gemeinschaftsküche, der Duschräume und der Waschmaschinen. Mit dem Zimmer habe ich es wahrscheinlich auch nicht allzu schlecht erwischt, da es zumindest eins von den größeren zu sein scheint. Obwohl ich eine eigene Küchenzeile, zahlreiche Schränke, einen Kühlschrank, ein recht gemütliches Bett, einen Schreibtisch, einen Balkon und sogar eine eigene Toilette habe, muss ich leider sagen, dass das Zimmer insgesamt ziemlich unangenehm riecht. Der normale Wohnbereich ist nach ein bisschen Putzen und Raumspray okay, aber selbst der Duftspender kann die Toilette irgendwie kaum noch retten. Das Teil stinkt schlichtweg.
Abgesehen davon fehlt mir eigentlich nur der Fernseher. Stille ist zwar oft angenehm, aber ab und zu ein bisschen Shit im Hintergrund laufen zu lassen hat noch keinem geschadet. Vor allem nicht, wenn es sich dabei um köstlich absurdes japanisches Fernsehen handelt, das auch gleichzeitig als Hörverständnisübung dienen könnte. Naja, mal sehen. Vielleicht findet sich so ein Gerät irgendwo billig. Ein Platz dafür ließe sich sicherlich finden, bei den vielen überflüssigen Schränken, die ich hier zur Verfügung habe.

Eingerichtet bin ich übrigens auch schon in Ansätzen. Gekauft wurden diverse Reinigungsmittel, Staubtücher, Schwamm, Handtücher, Klopapier, Verlängerungskabel, Mehrfachstecker, Hausschuhe, Süßkram und der besagter Toiletten-Duftspender.

Die Leute hier im Wohnheim sind, soweit ich sie kennengelernt habe, recht nett. Ziemlich unterschiedliche Charaktere, aber alle freundlich und aus allen möglichen Ländern. Von Rumänien über Frankreich und Tunesien bis hin zu Kanada. Und natürlich Deutschland. Allerdings will ich nicht zu viel mit denen rumhängen. Bin schließlich nicht hier um Englisch, sondern um Japanisch zu sprechen. Schadet aber sicherlich trotzdem nicht, wenn man weiß, dass ein paar Leute am Start sind, mit denen man labern kann, ohne erst diverse Vokabeln und grammatikalische Konstrukte im Kopf zurecht legen zu müssen.

Hier ein paar Photos meines Zimmers im uneingerichteten Zustand:

Toilette rechts
Küchenzeile



Total futuristische Herdplatte

Außenansicht kommt bestimmt auch noch. Irgendwann.


Morgen treffe ich mich übrigens mit Yohei, einem Kumpel, der in Bonn sein Auslandsjahr verbracht hat. Auf dem Plan steht auf jeden Fall ein elektronisches Wörterbuch zu kaufen. Und wer weiß, vielleicht sogar schon ein Handy. Wäre jedenfalls dringend nötig.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Okonomiyaki zum Aufbruch

Heute war der letzte Tag im Hostel in Osaka. Morgen geht es auf nach Kyoto, das Wohnheimszimmer in Empfang nehmen. Zwar wird es sicherlich nicht mein letzter Besuch in Osaka gewesen sein, da ich jetzt schon weiß, dass ich dort jedes zweite Wochenende Party machen werde, aber ich vermisse diese extrem geile Stadt noch bevor ich sie überhaupt verlassen habe.

Okonomiyaki. Endlich.

Eingeläutet wurde der vorläufige Abschied von Osaka jedenfalls mit einer fetten Portion Okonomiyaki. Mit ordentlich Kohl, Ei, Tintenfischarmen, Shrimps, Schweinefleisch, Fischflocken, sämtlichen Soßen und allem, was sonst so dazu gehört. War extrem lecker und überhaupt nicht teuer (787 Yen). Leider sprach die Bedienung für mein Empfinden recht undeutliches und schnelles Japanisch und selbst auf meine Bitte hin, langsamer zu sprechen, wiederholte sie in der selben Geschwindigkeit ihre Sätze. Ein spürbarer Dämpfer für meinen Japanisch-Lernfortschritt-Enthusiasmus. Traurig, aber uncool.

Anschließend nach einigem Umherirren durch das Stadtviertel Nanba auf das sagenumwobende Den Den Town gestoßen. Das südwestliche Pendant zu Tokyos Akihabara, einem Stadtviertel, wo eine Welt von Computerspielen, Spielzeug, Pornos und Anime (in Japan passen diese vier Dinge wunderbar zusammen) von zahllosen Otakus (vereinfacht formuliert die japanische Version des nerdigen Kellerkinds) regiert wird. Das Bild Den Den Towns war jedenfalls geprägt von erwachsenen Männern, die tütenweise Anime-Plastikfiguren, Porno-Magazine und Videospiele nach Hause oder ins nächste Maid-Café (Etablissements, wo als Hausmädchen verkleidete Japanerinnen so tun, als würden sie einen respektieren oder sogar mögen) trugen. Geführt hatte mich in das Stadtviertel eigentlich hauptsächlich der Wunsch einen Föhn und evtl. ein Glätteisen zu kaufen. Abgesehen von Computerteilen und Fernsehern gab es in Den Den Town jedoch kaum Elektronik zu kaufen. Wenig später bin ich, nach meiner Rückkehr ins Viertel Nanba, in einem riesigen Elektroartikel-Kaufhaus namens Labi doch noch fündig geworden. Gekauft wurde ein Föhn und ein Glätteisen.


Der Tag sollte seinen Abschluss, wie schon so oft, auf der Dotonbori, bzw. in Shinsaibashi finden. Dort ewig auf der Dotonbori Bridge gestanden, wo allerlei stylishe Leute sich im Sekundentakt vor einem vorbei schieben, zahllose Hosts versuchen, Frauen in ihren Club zu locken und gerne mal der ein oder andere sein Talent zur Schau zu stellt. Eine Schläger-Gang war übrigens auch am Start und versammelte sich neben mir. Abgesehen von einem muskulösen Riesen, waren die Mitglieder dieser Gang aber alle nicht besonders groß und nur wenig furchteinflösend. Jedoch war das eigentliche Highlight des abendlichen Brückenbesuchs ein Typ, vielleicht Anfang 20, der mitten auf der Brücke stehend plötzlich anfing, lauthals japanische Pop-Songs zu singen. Und zwar verdammt schlecht. Dafür aber umso lauter. Und ich gebe wirklich zu, selten habe ich jemanden mit mehr Leidenschaft singen hören. Tanz und Luftgitarre inklusive. Da der Kerl fast die gesamte Zeit über die Augen geschlossen und Kopfhörer auf den Ohren hatte, merkte er erst relativ spät, dass sich bereits innerhalb kürzester Zeit eine riesige Menge an Zuschauern um ihn versammelte, die begannen, ihn mit dem Handy zu filmen. Von dieser Tatsache ermutigt, schmetterte er aber ein Lied nach dem anderen und nahm sogar einzelne Song-Wünsche an. Nach ca. einer halben Stunde war das Konzert aber auch wieder vorbei und der Typ machte sich aus dem Staub. Ein bisschen später tat ich es ihm gleich.


Morgen früh wird das Hostel geräumt und die viel zu lange Fahrt nach Kyoto mit einem viel zu großen Haufen Gepäck beginnt.

Die besten Cookies überhaupt
Leuchtreklame in Dotonbori


Der Star und seine Fans
Ein Sänger voller Inbrunst